Presseauszüge über die King Ludwig Tour:

An Samstag trafen sich rund 80 Harleyfahrer aus ganz Deutschland in Heimbuchthal. Viel Zeit und Geld stecken sie in ihre Maschinen, die sie gerne und stolz präsentieren.

Rocker mit Herz und Seele
Deutschlandweites Harley-Treffen im Spessart - Keine Maschine gleicht der anderen

Heinbuchthal. "Harleyfahren ist Leben, die Zeit dazwischen ist Warten". Das meint Ludwig A. Büttner, der jetzt die erste bayrische King Ludwig Tour initiiert hat. Rund 80 Harleyfahrer aus ganz Deutschland trafen sich im Spessart, um ihr Lebensgefühl gemeinsam auszuleben.

Knapp 900 Kilometer legten sie auf Nebenstrecken durch den Spessart und Odenwald zurück. Büttner verfolgt mit der King Ludwig Tour zwei Ziele. Zum einen möchte er den kulturellen Austausch unter den Harleyfahrern ermöglichen und ihnen den Reiz und Schönheit seiner Heimat bei den Ausfahrten zeigen. Zum anderen will mit den typischen Harley-Klischees aufräumen: "wir möchten die Bevölkerung ein Stück weit sensibilisieren, dass wir nicht nur laut durch die Gegend fahren". Deswegen hat er unter den Harleyfahrern um Spenden für das Förderzentrum von Körperbehinderten gebeten. Mit 1.500 Euro ist eine beachtliche Summe dank großzügiger Einzelspenden zusammen gekommen.
Die ersten 250 Kilometer führten durch das malerische Hafenlohrtal und verwandelte den Räuberwald kurzerhand in einen Rockerwald. Weiter ging es Richtung Miltenberg und schließlich zur Geishöhe. Am  zweiten Tag war das Fahrradmuseum in Neckarsulm das Ziel der Motorradgruppe. Dabei ging es auch durch den badischen Odenwald. Die letzte Tour führte entlang de romantischen Straße über das liebliche und wildromantische Taubertal bis zu Rotenburg ob der Tauber. Im kommenden Jahr werden sich Deutschlands Rocker in Thüringen treffen und die Landschaft auf ihren schweren Maschinen erkunden.
Viel Zeit und Geld stecken sie in ihre Maschinen. Der Preis für eine Harley beginnt bei 10.000 Euro und kennt nach oben kein Limit. 2003 erreichte das Kult-Motorrad das stolze Alter von 100 Jahren, denen sicherlich noch eineige folgen werden.
"Wer erst einmal mit dem Bazillus infiziert ist, kommt nicht mehr davon los", schwärmt Büttner von der Manie nach verchromten Maschinen. Als kleiner Junge hatte Büttner das Filmplakat von -Easy Rider-  in seinem Zimmer hängen. Seitdem träumt er davon, wie seine Kinovorbilder auf einer Harley zu cruisen. 1995 konnte er sich den langersehnten Traum erfüllen. "Ich genieße die Landschaft beim Blubbern des Motors meiner V2", schwärmt Büttner.
Mit persönlichem Touch
Jeder hat ein Unikat. Dies ist laut Büttner die große Besonderheit. Keine Harley gleicht der anderen. Bis zum Exzess wird versucht, dem Motorrad einen persönlichen Touch mit Speziallackierung und Sonderanbauten zu verleihen. Gefahren wird bei Regen, selbst im Winter. Dann allerdings nur, wenn kein Salz gestreut wurde. Die Salzkristalle greifen den Chrom an - und der ist einem echten Harley-Freak heilig.
Bei nationalen und internationalen Treffen der Harleyfahrer lernt Büttner viele Gleichgesinnte kennen. Im vergangenem Jahr ist er bis Barcelona gefahren. Doch nicht nur Männer erliegen der Faszination Harley. Mehr als 10 Prozent der Teilnehmer sind selbstfahrende Frauen. Marion Stadler kam 1996 über ihren Ehemann Hajo dazu. Seitdem ist sie 7.000 Kilometer gefahren. Ein beliebtes Ziel ist das jährliche Treffen in Faak am See in Kärnten.
Eine ganz besondere Harley Davidson fährt Heike Schneider. Sie hat eine Fat Boy aus der Modellreihe Softail wie sie beispielsweise Arnold Schwarzenegger in Terminator fährt. "Es ist eigentlich keine typische Frauenmaschine, weil sie sehr bullig ist", erklärt die Harleyfahrerin. Deswegen hat sie sich eine Rose auf die Kotflügel lackieren lassen - und nennt ihre Harley nun liebevoll "die Rose". Juwel wäre ebenfalls ein passender Name: Knapp 40.000 Euro hat sie für alle Umbauten investieret. Ehemann Klaus ebenfalls Rocker aus Leidenschaft und Leiter des Harleyclubs "Chapter Schaafheim", stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Dieses Jahr waren sie gemeinsam in Australien und genossen auf Harleys die atemberaubenden Landschaften.
Mit Seitenwagen ist Reinhard Calmon aus Pritzwalk in Brandenburg angereist. In zehn Jahren legte er 70.000 Kilometer zurück. Österreich, England und Italien sind seine Lieblingsziele. Stolz zeigt Wolfgang Michel seine "Kutte", wie die obligatorische Lederjacke heßt. Bei jeder Veranstaltung gibt es einen Pin für die Jacke. Harleyfahren ist sein Lebenstraum, den er sich seit vie Jahren erfüllt.
Mehr Reisen als Rasen
Was ist das Kennzeichen einer Harley aus dem Norden Deutschlands? Eine große Klingel. "Beim Betätigen der Fahrradklingel gehen die Leute beiseite" erklärt Jörn Bockwoldt. Er kam mit Ehefrau Bärbel aus Kiel in den Spessart.
"Harleyfahren ist für mich mehr Reisen als Rasen", sagt Bärbel Bockwoldt. Laut Jörn Bockwoldt verfolgen Harleyfahrer verschiedene Ziele. Die einen fahren gerne längere Stecken, andere auf nationale und internationale Treffen. Aber es geben eben auch die Rocker, die mit laten Auspuffgeräuschen nur zur nächsten Eisdiele knattern.
Alexander Knuppertz

Mit 11 Jahren schon ein begeisterter Motorrad-Fan: Für Carsten Peters und die anderen Kinder des Förderzentrums Schweinheim (vormals Schule für Körperbehinderte) gab es kein Halten mehr, als Harley Biker mit ihren schweren Maschinen im Schulhof aufkreuzten.

 

Harley-Fans von Kindern in Beschlag genommen

1.500 Euro an Schule für Körperbehinderzte
Großer Trubel im Förderzentrum Schweinheim: Sechs gestandene Harley-Fahrer kreuzten Mittwoch in der Gutwerkstraße auf, um Schulleiter Gerald Kluge 1.500 Euro auszuhändigen. Kaum angekommen, wurden die Biker von den Kindern in Beschlag genommen.